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das Interview führte Axel Gloger
Die ersten Jahrgänge der Babyboomer-Generation erreichen bald das Rentenalter. Ton Koper, Mitgründer der PowerAge Foundation, zeigt, welcher Schaden der Gesellschaft droht, wenn Babyboomer so in die Rente abgeschoben werden wie die Generationen zuvor – und erklärt, welche Agenda Bildungs- und Personalarbeit ab heute haben, wenn wir weiter vom intellektuellen Kapital der Babyboomer profitieren wollen.
QUARTERA -MAGAZIN : Kann es sich ein Unternehmen leisten, weiter die Mitarbeiter mit 65 Jahren in die Rente zu schicken?
Ton Koper: Nein. Die Berufswelt darf keinen Ausschalter mehr haben. Dieses abrupte Ende, wie wir es über Jahrzehnte praktiziert haben, ist nicht mehr zeitgemäß. Weder aus Sicht des Arbeitenden noch aus der des Unternehmens. Übrigens auch nicht aus der Perspektive der Gesellschaft.
QM: Das ist eine starke Forderung. Ihr Grund dafür?
Ton Koper: Wir wissen heute viel mehr als früher darüber, wie Altern abläuft. Mit diesem Wissen müssen wir sagen: Das Defizitmodell stimmt so nicht mehr. Das Alter nimmt nicht nur weg, es reichert auch an. Und wir sind erst dabei, zu lernen, was Alterspotenziale überhaupt sind und wie man diese Ressourcen gesellschaftlich und wirtschaftlich nutzen kann. Aber es gibt noch einen zweiten, wichtigen Grund. Der abrupte Beginn von Nichtarbeit, ganz gleich ob durch Pensionseintritt oder Frührente, ist lebensgefährlich. Die Todesrate bei Karrieren, die von heute auf morgen mit einem Einschnitt enden, liegt um 100 Prozent höher als bei gleitenden Übergängen.
QM: Wie kommen wir aus der misslichen Lage raus?
Ton Koper: Indem wir endlich daran gehen, das zu wagen, was noch keine Generation vor uns geschafft hat – die Emanzipation des Alters. In einer zunehmend älteren Gesellschaft wird es höchste Zeit, damit zu beginnen.
QM: Wofür brauchen wir die Mitwirkung der alternden Babyboomer?
Ton Koper: Der gesellschaftliche Bedarf liegt auf der Hand. Es geht darum, das immense immaterielle Vermögen der Alternden vor Entwertung zu schützen, ihr Wissen, ihr Können, ihre einmaligen Fähigkeiten.
QM: Warum ist das wichtig?
Ton Koper: Weil die Babyboomer die letzte prädigitale Generation unserer Arbeitwelt sind. Sie können sich noch selbst im Raum orientieren - ohne Navigationssystem. Für sie war es normal, auf Vorrat zu lernen, weil sie nichts auf Google nachsehen konnten. Sie können gut mit Menschen, auch ohne Facebook-Kontakte. Sie sind als Homo Analogis die letzte Generation, deren Hirn noch nicht vom Handeln und Denken des Internet geprägt worden ist.
QM: Und woran sollten zum Beispiel Personalmanager denken, die ja solches Wissen für die Unternehmen managen müssen?
Ton Koper: Es wird ihre Aufgabe sein, die Erfahrungen zu sichern und zu bündeln. Sie werden sich konträr zu dem ausrichten müssen, was in der Vergangenheit Standard war. Jetzt geht es nicht mehr darum, die Älteren aus dem Unternehmen herauszuleiten, die Belegschaft zu verjüngen. Heute muss sich ein Unternehmen so aufstellen, dass es in einer alternden Arbeitsbevölkerung als bevorzugter Arbeitgeber positioniert ist.
QM: Welche Maßnahmen schweben Ihnen hier konkret vor?
Ton Koper: Denken wir an die berufliche Bildung. Anders als die Vorgängerjahrgänge werden alternde Babyboomer hier einbezogen, nicht ausgeschlossen. Damit
verknüpft wird eine veränderte Wertschätzung sein. Die Unternehmen werden offenlegen, was diese Mitarbeiter können, wo ihr einmaliges Wissen liegt - und dieses pflegen, mehren und weitergeben. In Zukunft sollte kein älterer Mitarbeiter mehr Angst haben müssen, dass er nach der nächsten Reorganisationsrunde auf der Straße steht.
QM: Gibt es das nicht schon?
Ton Koper: Nein. Viel zu wenig. Schauen wir uns das große Bild an. Heute wird jeder Alleenbaum von der Stadt in einer Akte erfasst. Aber welches Bildungsvermögen in den Menschen in späteren Jahren steckt und potenziell für die Gesellschaft verlorengeht, darum kümmert sich keiner, kein Amt, keine EU . Hier anzuknüpfen, das wäre eine so wichtige wie vornehme Aufgabe für die quartäre Bildung.
Lesen Sie das Interview auch im Quartera Magazin.
Eingestellt von Markus Müller am 22. November 2011 um 11:39
Tags: Bildung managen, Trends setzen, Bildungsbiographie, Erwerbsbiographie, Learn-Work-Balance, Personalentwicklung, Personalmanagement
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